Ralph Vaughan Williams wurde vor allem durch seine großen Chor- und Orchesterwerke einem breiten Publikum bekannt. Obwohl er sich zeitlebens intensiv auch der Kammer- und Solomusik widmete, erreichten diese Werke nie die Popularität seiner symphonischen Arbeiten. Vor allem in den Jahren zwischen seinem Studienabschluss am Royal College of Music 1895 und dem Beginn seiner kurzen Lehrzeit bei Maurice Ravel in Paris 1908 entstanden zahlreiche Kammermusikwerke wie ein Streichquartett in c-Moll, mehrere Liederzyklen oder das groß angelegte Klavierquintett. 1904 vollendete er eine Ballade mit Scherzo für Streichquintett, ersetzte aber die Ballade zwei Jahre später durch ein Nocturne und überarbeitete auch das auf einem alten englischen Volkslied basierende Scherzo. Im Nocturne finden sich die für Vaughan Williams typischen chromatischen Harmonien in Kombination mit einer geradezu französisch anmutenden Farbigkeit, die bereits seine späteren Studienjahre bei Maurice Ravel antizipiert. Das Scherzo wiederum präsentiert sich als kraftvoller Marsch mit fugierten Episoden.
– Martin Demmler
Ralph Vaughan Williams war einer der prägenden Komponisten Großbritanniens im 20. Jahrhundert. Geboren 1872 in Down Ampney, Gloucestershire, studierte er am Royal College of Music in London sowie in Cambridge und vervollständigte seine Ausbildung u.…