Als Mitglied des Joachim Quartetts und des English String Quartet war Frank Bridge einer der führenden Bratschisten seiner Zeit. Als Komponist wurde ihm jedoch außerhalb Großbritanniens nie die Aufmerksamkeit zuteil, die er verdient gehabt hätte. Sein »Phantasy Quartet« entstand – wie so viele herausragende Kammermusikwerke jener Epoche – für den Kompositionswettbewerb, den der erfolgreiche Geschäftsmann und Mäzen Walter Willson Cobbett zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen hatte. Cobbett ging es vornehmlich um eine Wiederbelebung der einsätzigen »Fantasias«, die in der Barockzeit ihre höchste Blüte erlebt hatten. Ihr Prinzip war die Mehrsätzigkeit in der Einsätzigkeit, wobei Abschnitte unterschiedlichen Charakters zu einer einheitlichen Bogenform verknüpft werden; ein Formmodell, das Bridge von jeher in seiner Kammermusik gern anwandte. So ist auch sein »Phantasy Quartet« von 1910 gehalten. Auf eine Einleitung in bewegtem Andante-Tempo, die an eine Barcarole erinnert, folgt eine marschartige Scherzo-Sektion mit einem kontrastierenden, liedartigen Trio, das Motive des Beginns wieder aufgreift. Eine rezitativartige Passage mündet in eine Reprise, die nach einem stürmischen Aufbäumen verhalten ausklingt.
– Martin Demmler
Frank Bridge, geboren 1879 in Brighton und gestorben 1941 in Eastbourne, war ein englischer Komponist, Bratschist und Dirigent und gilt heute als einer der bedeutendsten Komponisten Großbritanniens, auch wenn sein Werk nicht allzu umfangreich ist.…