Antonín Dvořák war von Hause aus Bratscher. Zu Beginn seines Berufslebens wirkte er fast zehn Spielzeiten hindurch als Erster Violist am Prager Interimstheater. Seine Vorliebe für reine Streicherkammermusik brachte er in zahlreichen Werken zum Ausdruck: 14 Streichquartette, drei Streichquintette, ein Streichsextett und ein Streichtrio gehören zu seinem OEuvre. Das 1875 entstandene Streichquintett in G-Dur war Dvořáks Beitrag zu einem Kammermusikwettbewerb, der von einer tschechischen Künstlervereinigung veranstaltet wurde. Der Komponist wählte hier die ungewöhnliche Besetzung mit Streichquartett und Kontrabass. Das ermöglichte ihm, orchestrale Klangwirkungen zu erzielen und Themen in Unisono- oder Oktavgängen von Cello und Kontrabass zu führen. Gleichzeitig wird das Cello als Bassfundament entlastet und kann stärker als Melodieträger eingesetzt werden. Das preisgekrönte Quintett, das die vom Komitee geforderte Widmung »Meinem Volke« trägt, wurde von der Jury wegen »seines noblen Themas, seiner meisterhaften Beherrschung polyphoner Mittel, seines geschickten Umgangs mit der Form und der gründlichen Kenntnis der Instrumente« gewürdigt. Die Uraufführung des zunächst fünfsätzigen Werks fand im März 1876 in Prag statt. Vor der Drucklegung im Jahr 1888 reduzierte Dvořák das Quintett auf vier Sätze, der langsame Mittelsatz wurde als »Nocturne« op. 40 zu einem eigenständigen Werk. Der Kopfsatz entwickelt sich fast vollständig aus den beiden zentralen Motiven der Einleitung und steht in seiner harmonischen Sprache noch deutlich in der Tradition Wagners und Liszts. Deutlich volkstümlicher gehalten sind die beiden Mittelsätze, und auch das Finale greift böhmische Tanzmelodien auf.
– Martin Demmler
Der 1841 am 8. September 1841 in Nelahozeves (Böhmen) geborene Antonín Dvořák galt seinen Zeitgenossen als komponierender "Naturbursche" - einfallsreich, unakademisch und unmittelbar aus den Quellen der böhmischen und slawischen Folklore schöpfend…