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Ethel Smyth: Streichtrio D-Dur op. 6

Ethel Smyth war nicht nur eine der wichtigsten Komponistinnen ihrer Zeit, sie war auch eine temperamentvolle und sehr eigenwillige Lady, die sich mit großem Engagement für die Rechte der Frauen einsetzte, offen lesbisch lebte und unter anderem die berühmte Sufragetten-Hymne »The March of the Women« schuf. Ihren Wunsch, Musik zu studieren, lehnten die Eltern zunächst entschieden ab. Erst durch einen Hungerstreik erkämpfte sich die junge Frau 1877 endlich die Zustimmung ihrer Familie, in Leipzig ein Kompositionsstudium zu absolvieren. Dort entstand auch ihr Trio für Violine, Viola und Violoncello in D-Dur, das vielleicht einzig groß angelegte Streichtrio, das im 19. Jahrhundert von einer Frau komponiert wurde. Smyth, die 1922 geadelt wurde und sich in späteren Jahren wegen einer fortschreitenden Ertaubung auf die Literatur verlegte, zeigt sich in diesem Werk deutlich von Johannes Brahms beeinflusst – das Autograph weist zahlreiche Anmerkungen ihres Kompositionslehrers, des Brahms-Freundes Heinrich von Herzogenberg auf. Smyth gelingt es, kunstvolle, kontrapunktisch angelegte Themen mit volksliedhaften Melodien zu verbinden. Vor allem im Scherzo und im Mittelteil des langsamen Satzes nutzt sie die spezifischen Klangmöglichkeiten eines Streichtrios, um den thematischen Gedanken eine unverwechselbare Farbigkeit zu verleihen.

 

– Martin Demmler

Ethel Smyth

Ethel Smyth, Komponistin, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, widersetzte sich bürgerlichen Konventionen und verfolgte konsequent das Ziel, im internationalen Musikbetrieb als Komponistin anerkannt zu werden. Ethel Smyth wurde 1858 als Tochter eines…

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