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Johannes Brahms: Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Kaum jemand hat Johannes Brahms´ 4. Symphonie e-Moll op. 98 bereits wenige Monate nach der Uraufführung im Jahr 1885 enthusiastischer charakterisiert, als der mit Brahms befreundete Geiger Joseph Joachim in einem Brief an den Komponisten: "Wir haben nun Deine herrliche Schöpfung heute in der Generalprobe durchgespielt. Sie hat sich mir und dem Orchester immer tiefer in die Seele gesenkt. Der nahezu packende Zug des Ganzen, die Dichtigkeit der Erfindung, das wunderbar verschlungene Wachstum der Motive noch mehr als der Reichtum und die Schönheit einzelner Stellen, haben mir´s geradezu angetan, so daß ich fast glaube, die e-Moll ist mein Liebling unter den vier Symphonien." Wenn Joachim das "verschlungene Wachstum der Motive" und die "Dichtigkeit der Erfindung" anspricht, dann benennt er damit die Merkmale, die der Komponist Arnold Schönberg später an Brahms als besonders fortschrittlich einstufte und als "Technik der entwickelnden Variation" beschrieb. Die Kehrseite dieser Technik ist ein motivisches Ausgangsmaterial, das diese Art der Verarbeitung ermöglicht und daher entsprechend wandlungsfähig sein muss, was häufig durch einen Mangel an thematischem Profil erkauft werden muss. Dies zeigt sich unmittelbar am Beginn der Symphonie, dessen erster Satz von einem Hauptthema eröffnet wird, das aus dem steten Wechsel von fallenden Terzen und steigenden Sechsten besteht. Diese Intervalle ermöglichten dem Komponisten zwar eine äußerst differenzierte Motiventwicklung, führten jedoch auch dazu, dass dieses Hauptthema von Brahms-Kritikern als konstruiert beurteilt wurde und mit Texten wie "Ich weiß nicht, was ich schreiben soll" oder "Mir fällt mal wieder gar nichts ein" unterlegt wurde. So ist gerade diese Symphonie beispielhaft für die Auseinandersetzung zwischen den "Traditionalisten", die die geistige Durchdringung des Materials höher bewerteten als den originären Einfall, und den "Neudeutschen", die auf dem musikalischen Einfall als zentralem Ausgangspunkt bestanden und die penible Bearbeitung als bloßen Akademismus ablehnten.

Johannes Brahms

"Neue Bahnen" lautete der Titel eines enthusiastischen Aufsatzes in der "Neuen Zeitschrift für Musik", mit dem Robert Schumann Johannes Brahms (geboren am 7. Mai 1833 in Hamburg) der Musikwelt bekanntmachte. Von Schumann als Neuerer gelobt, wurde…

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