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Richard Wagner: "Tannhäuser": Vorspiel

Im Gegensatz zum konventionelleren "Rienzi" hatte Wagners "Tannhäuser", der im April 1845 fertig wurde, keinen großen Erfolg. Vielleicht waren die Sänger überfordert, vielleicht auch das Publikum. Aber seit sie Franz Liszt 1849 in Weimar auf die Bühne gebracht hatte, zogen viele Opernhäuser nach und verhalfen Wagner allmählich zu steigender Popularität. Auch die Ouvertüre gewann rasch an Beliebtheit – Wagner und Liszt setzten sie auch im Konzertsaal gerne auf das Programm. Von Beethovens dritter "Leonoren"-Ouvertüre hatte Wagner geschwärmt, das Werk sei "nicht mehr eine Ouvertüre, sondern das gewaltigste Drama selbst". Dramatisch im eigentlichen Sinn ist die seine nicht, aber sie deutet bereits den Konflikt der folgenden Handlung an: Die unversöhnlichen Welten stehen sich in plakativen Kontrasten gegenüber: die christlich-asketische mit dem weihevollen Pilgerchor, der als Hauptthema erklingt, und die heidnisch-wollüstige mit den erregten Motiven des entfesselten "Bacchanals". Zwei verschiedene Arten von Musik charakterisieren die konträren Sphären: Der Pilgerchor schreitet in klaren Harmonien voran, in fest gefügter Tonalität, in glatt und flächig aufgetragenen Farben. Im Gegensatz zu dieser eher einförmigen Musik ist die der Bacchanten faszinierend wechselhaft. Flirrende Triller, verminderte Akkorde und chromatische Linien versetzen sie in unruhige Bewegung – ein gleißendes, sinnenverwirrendes Farbenspiel, ein flackerndes, züngelndes Feuer aus Klang. Die Ouvertüre endet mit einer Rückkehr der triumphal sich steigernden Pilgerhymne. Damit weist sie schon voraus auf das Ende der Oper, den Sieg des Glaubens über die unkontrollierte Sinnlichkeit; dieser grandiose, effektvolle Schluss hat mit Sicherheit zu ihrer Beliebtheit beigetragen.

Richard Wagner

Die Musikdramen Richard Wagners, geboren am 22. Mai 1813 in Leipzig, wirkten auf seine Zeitgenossen äußerst polarisierend. Während sich die eine Hälfte des Publikums von der emotionalen Sogkraft seiner Werke in Bann ziehen ließ, fühlte sich die…

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