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György Ligeti

György Ligeti wurde am 28. Mai 1923 als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern in Dicsőszentmárton (heute Târnǎveni, Siebenbürgen/Rumänien) geboren. Nach der Niederschlagung des Aufstandes in seiner Heimat verließ er im Dezember 1956 Ungarn aus politischen wie künstlerischen Gründen.

Während der Zeit als freier Mitarbeiter im Studio für elektronische Musik des WDR Köln setzte er sich intensiv mit der Musik von Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und Pierre Boulez auseinander. In den 1960er Jahren wirkte Ligeti als Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik und als Gastprofessor an der Stockholmer Musikhochschule. 1969 bis 1970 war er Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin, 1972 Composer in Residence an der Stanford University in Kalifornien. Ein Jahr später wurde er als Professor für Komposition an die Hamburger Musikhochschule berufen. Als Hochschullehrer (bis 1989) und als Komponist prägte Ligeti maßgeblich die internationale zeitgenössische Musik und wurde zum musikästhetischen Bezugspunkt einer ganzen Generation. Auf Einladung von Walter Fink war er 1990 der erste Komponist im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festivals.

Ligeti verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Wien und starb dort am 12. Juni 2006.

Als Komponist von "Weltraum-" und "Science-fiction-Musik" wurde György Ligeti einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als Stanley Kubrick in seinem Film "2001 - Odyssee im Weltraum" einer Filmsequenz Musik aus Ligetis Orchesterwerk "Atmosphères" unterlegte. Der ungarische Komponist hat sich davon weder beeindrucken noch vereinnahmen lassen, sondern ist seinem avantgardistischen Stil fernab vom Mainstream und den ideologischen Debatten der 50er Jahre treu geblieben. Was Ligetis Werke kennzeichnet, ist die Aufbrechung eines Klangs in seine kleinsten Partikel, die in unscharfem Ineinanderfließen schillernde Klangflächigkeit erzeugen. "Mikropolyphonie" nennt Ligeti dieses Verfahren, das auf rhythmische Kontur ebenso verzichtet wie auf herkömmliche Intervallstrukturen. Ligeti kommt es nach eigener Aussage bei seinem Kompositionsverfahren nicht auf die Abbildung von "Ereignissen", sondern von "Zuständen" an: "(es existiert) nur der unbevölkerte musikalische Raum; und die Klangfarben, die eigentlichen Träger der Form, werden - von den musikalischen Gestalten gelöst - zu Eigenwerten." Nach Experimenten auch im Bereich elektronischer Musik wendet sich Ligeti in seinen jüngsten Werken verstärkt der Musik außereuropäischer Kulturen zu.