Ralph Vaughan Williams war vor allem ein begnadeter Symphoniker. Doch in den Jahren zwischen seinem Studienabschluss am Royal College of Music im Jahr 1895 und dem Beginn seiner Studienzeit bei Maurice Ravel in Paris 1908 schrieb er auch zahlreiche Kammermusikwerke, darunter das groß angelegte Klavierquintett in c-Moll. Das Werk wurde in den folgenden Jahren mehrmals revidiert und im Dezember 1905 in London uraufgeführt. 1918 zog Vaughan Williams das Quintett, wie einige andere frühe Arbeiten auch, zurück. Erst nach 1990 stimmte die Witwe des Komponisten einer Veröffentlichung zu, die erste Aufführung nach Vaughan Williams’ Tod fand 1999 statt. Das Werk ist dreisätzig. Der Kopfsatz erinnert in der Anlage der Themen und ihrer Verarbeitung noch stark an die Musik von Johannes Brahms. Lediglich das zarte Seitenthema zeigt schon den späteren Personalstil von Vaughan Williams. Der zentrale langsame Satz basiert auf einem Thema, das der Komponist in seinem Lied »Silent Noon« erstmals benutzt hatte. Das Finale entfaltet das Thema, das bereits in den beiden vorangegangenen Sätzen angeklungen war, in fünf Variationen. Später hat Vaughan Williams diese Melodie im Finale seiner Violinsonate noch einmal aufgegriffen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Vaughan Williams in seinem Klavierquintett mit der Einbeziehung eines Kontrabasses die gleiche Besetzung benutzt wie Franz Schubert in seinem »Forellenquintett«. Denn der Brite war ein großer Bewunderer Schuberts und scheute sich in seinem Quintett nicht, genuin romantische Töne anzuschlagen. Das gilt für die Brahms’sche Manier im Kopfsatz ebenso wie für die »romantische«, an Schubert erinnernde Melodik des langsamen Satzes.
– Martin Demmler
Ralph Vaughan Williams war einer der prägenden Komponisten Großbritanniens im 20. Jahrhundert. Geboren 1872 in Down Ampney, Gloucestershire, studierte er am Royal College of Music in London sowie in Cambridge und vervollständigte seine Ausbildung u.…