Ralph Vaughan Williams studierte zwar 1908 nur einige Monate bei Maurice Ravel, aber dieser Unterricht hatte einen entscheidenden Einfluss auf sein Komponieren. Sein Stil wurde fließender, auch eleganter. Das zeigt sich etwa in seinem 1912 vollendeten 15-minütigen »Phantasy Quintet« (mit einer zweiten Viola), das der britische Unternehmer und Mäzen Walter Willson Cobbett bei ihm in Auftrag gegeben hatte. Die vier Sätze, die ohne Pause ineinander übergehen, zeigen bereits in den Satztiteln den Einfluss der barocken Suite. Kern des Werkes ist eine pentatonische Tonleiter, die zunächst in der ersten Bratsche – Vaughan Williams spielte selbst Viola – vorgestellt und wenig später von der ersten Violine beantwortet wird. Im Scherzo bewegt sich die Musik im 7/4-Takt über ostinaten Rhythmen und erinnert ein wenig an den Charakter englischer Madrigale. Im langsamen Satz »Alla Sarabanda« setzt das Violoncello aus, während die übrigen Instrumente mit Dämpfer musizieren und so eine ungewöhnliche Farbigkeit erzeugen. Ralph Vaughan Williams war ein begeisterter Sammler altenglischer Volkslieder. Daher verwundert es nicht, dass sich auch in diesem Werk, insbesondere im Finale, deutliche volksmusikalische Anklänge finden.
– Martin Demmler
Ralph Vaughan Williams war einer der prägenden Komponisten Großbritanniens im 20. Jahrhundert. Geboren 1872 in Down Ampney, Gloucestershire, studierte er am Royal College of Music in London sowie in Cambridge und vervollständigte seine Ausbildung u.…