Als vom Orchester begleiteter Gesang gehört Schrekers »Vom ewigen Leben« zu den bedeutenden Meilensteinen, die die Entwicklung des Kunstlieds im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert geprägt haben. Hans Reisiger übersetzte die Gedichte »Leaves of Grass« (Grashalme) des US-amerikanischen Lyrikers Walt Whitman 1922 ins Deutsche. Die Uraufführung der Orchesterlieder – sie waren Schrekers letzte größere Liedkompositionen – fand am 14. April 1929 durch den Leipziger Konzertverein unter der Leitung von Hermann Scherchen statt. Der Titel »Vom ewigen Leben« lässt unweigerlich an Gustav Mahlers ebenfalls aus dessen Spätwerk stammenden Liederzyklus »Das Lied von der Erde« für zwei Solostimmen und Orchester (1908) denken – als eine Art getrübte Rückschau auf das menschliche Leben. Ähnlich wie bei Mahler liegen auch in den beiden Liedern Schrekers Liebe und Tod nah beieinander. Geschildert werden in »Wurzeln und Halme« und »Das Gras« frühlingshafte Beschreibungen der Natur von jungen neugierigen bzw. sich liebenden Menschen – allerdings in retrospektiver Betrachtung. Obwohl sich sein Personalstil eher durch atonale Klänge auszeichnet, bedient Schreker sich in diesem Werk spät romantischer Anleihen.
– Bernd Wladika
Schreker, 1878 in Monaco als Sohn eines österreichisch-jüdischen Hofphotographen geboren, wuchs in einem kulturell vielfältigen Umfeld auf und erhielt seine musikalische Ausbildung zunächst in Wien, wo er am Konservatorium unter anderem bei Robert…