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Franz Schreker

Schreker, 1878 in Monaco als Sohn eines österreichisch-jüdischen Hofphotographen geboren, wuchs in einem kulturell vielfältigen Umfeld auf und erhielt seine musikalische Ausbildung zunächst in Wien, wo er am Konservatorium unter anderem bei Robert Fuchs und Franz Krenn studierte. Die künstlerische Atmosphäre der Donaumetropole um die Jahrhundertwende prägte ihn entscheidend – eine Zeit, in der spät romantische Ausdrucksformen und avantgardistische Strömungen nebeneinander existierten und sich wechselseitig beeinflussten. Mit seinem Schaffen positionierte sich Schreker genau im Spannungsfeld zwischen der emotional aufgeladenen Klangsprache der Spätromantik und den klanglichen Emanzipationsbestrebungen der musikalischen Moderne. Seine Opern, allen voran »Der ferne Klang« (1912) und »Die Gezeichneten« (1918), zeugen von seiner Fähigkeit, diese Gegensätze produktiv miteinander zu verschränken. Auch in seinen Gesängen »Vom ewigen Leben« gelingt es ihm, traditionelle Liedformen mit einem fortschrittlichen harmonischen Vokabular zu verbinden. Diese Lieder spiegeln nicht nur die stilistische Bandbreite seines OEuvres wider, sondern auch seine lebenslange Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Innovation. Mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, wurde er erst Professor für Komposition und schließlich Leiter der Berliner Musikhochschule. Von diesen Ämtern wurde er jedoch von den Nazis bereits Anfang der 30er Jahre enthoben. Als Schreker 1934 starb, war er in der musikalischen Öffentlichkeit schon weitgehend in Vergessenheit geraten. Schrekers Werke wurden erst in den letzten Jahren wiederentdeckt und ihre Aufführung löste eine kleine Schreker-Renaissance aus.