Barbara Hannigan

Barbara Hannigan, Dirigentin und Sopranistin, verkörpert Musik mit einem beispiellosen dramatischen Gespür. Sie ist eine Künstlerin von ganz eigener Prägung und bewegt sich frei zwischen den Rollen der Dirigentin, Sängerin und Kuratorin. Ihre Arbeit speist sich aus Neugier, Leidenschaft, Disziplin, Fantasie und dem unerschütterlichen Glauben an die Musik als etwas Lebensnotwendiges.

 

In mehr als drei Jahrzehnten hat sie künstlerische Partnerschaften mit außergewöhnlichen Musikerinnen und Musikern, Regisseuren und Choreografen geschlossen, darunter Romeo Castellucci, Claus Guth, Vladimir Jurowski, Katie Mitchell, Simon Rattle, Esa-Pekka Salonen, Kirill Petrenko, Sasha Waltz und Krzysztof Warlikowski. Der verstorbene Dirigent und Pianist Reinbert de Leeuw war ein außergewöhnlicher Einfluss und eine große Inspiration für ihre Entwicklung als Musikerin.

 

Von der New York Times als „…mutige Sängerin und Maestra, die sich einen Ruf für innovative Programmgestaltung erarbeitet hat" gefeiert, bringt Barbara Hannigan etablierte Meisterwerke mit selten gespielten Werken und der Musik von heute ins Gespräch und schafft so unerwartete Verbindungen.

 

„Ein Konzertprogramm ist eine Geschichte. Es ist eine Erzählung, die den Zuhörer begeistert und fesselt. Was mich fasziniert: Weil jeder Musik anders erlebt, nimmt jede Konzertbesucherin und jeder Konzertbesucher die Erzählung des Programms auf ganz eigene Weise wahr, anders als ich es mir beim Zusammenstellen des Programms vorgestellt habe. Und genau das macht Livemusik und Aufführung so aufregend."

 

Die kanadische Musikerin hat mehr als 120 neue Werke uraufgeführt und die Art, wie zeitgenössische Musik von Ausführenden wie Publikum erlebt wird, grundlegend verändert. Sie hat intensiv mit Komponisten wie Hans Abrahamsen, George Benjamin, Boulez, Dutilleux, Ligeti und Stockhausen zusammengearbeitet. Zu den jüngsten Uraufführungen zählen Golfam Khayams I am Not a Tale to be Told mit dem Iceland Symphony Orchestra und dem London Symphony Orchestra sowie Laura Bowlers The White Book für Sopran und Orchester (mit Texten der Literaturnobelpreisträgerin Han Kang), das sie mit dem Gothenburg Symphony, dem London Symphony Orchestra und dem Copenhagen Philharmonic uraufführte. Sie kreierte die Titelrolle der Agnes in George Benjamins Opernmeisterwerk „Written on Skin" und gestaltete die atemberaubende Uraufführung von Hans Abrahamsens „let me tell you" mit den Berliner Philharmonikern, die sie anschließend mit Orchestern weltweit aufführte.

 

Sie arbeitet häufig mit dem amerikanischen Freigeist John Zorn zusammen: Komponist, Saxophonist, bildender Künstler und Improvisator. Zorn hat bereits acht Werke für sie geschrieben, die ihre Stimme und ihre Bühnenpräsenz mit klassischen Musikern und Jazzmusikern höchsten Kalibers verbinden.

 

In der Saison 26/27 tritt Hannigan ihr Amt als Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin des Iceland Symphony Orchestra an. Dort wird ihr Entdeckergeist eine künstlerische Vision prägen, die in Exzellenz, Offenheit und Zusammenarbeit wurzelt und zugleich neue Verbindungen zwischen Island und der internationalen Musikwelt knüpft.

 

Hannigan balanciert ihre Arbeit als Dirigentin und Sopranistin und pflegt langjährige Beziehungen zu ihren Kolleginnen und Kollegen in der Orchester-, Opern- und Kammermusikwelt. Sie unterhält mehrjährige Verbindungen zum Gothenburg Symphony Orchestra (als Principal Guest Conductor), zum London Symphony Orchestra (als Associate Artist) und zum Orchestre de Chambre de Lausanne (als Principal Guest Conductor) und tritt regelmäßig mit den Münchner Philharmonikern, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, dem Swedish Chamber Orchestra, dem Orchestre Philharmonique de Radio France und dem Danish Radio Symphony Orchestra auf. Mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra gibt sie ihr Dirigierdebüt im Rahmen des gemeinsamen Projekts des Orchesters mit dem Scapino Ballet unter dem Titel La Mer, in dem sie singt, dirigiert und auch gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern dieser weltbekannten Tanzcompagnie tanzt. Sie tourt weiterhin mit ihrer einzigartigen Produktion von Poulencs La Voix Humaine, nach den jüngsten Erfolgen mit dem New York Philharmonic und dem Czech Philharmonic Orchestra, und bringt das Werk in dieser Saison mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin nach Berlin. Ihre Recital-Tournee mit ihrem wichtigsten musikalischen Partner, dem Pianisten Bertrand Chamayou (Werke von Messiaen, Skrjabin und Zorn), wird in der Saison 2026/27 mit Auftritten in ganz Europa fortgesetzt.

 

Zu Hannigans Paraderollen in der Oper zählen Lulu (Inszenierungen von Warlikowski und Marthaler), Mélisande (Inszenierungen von Warlikowski und Mitchell), Marie in Die Soldaten (Regie: Kriegenburg), Agnes in Written on Skin (Regie: Mitchell) sowie La Voix Humaine (Inszenierungen von Warlikowski, Guth und ihre eigene Produktion mit Live-Video).

 

Als gefeierte Aufnahmekünstlerin begann Barbara Hannigans fruchtbare Zusammenarbeit mit Alpha Classics 2017 mit der Veröffentlichung von Crazy Girl Crazy, das 2018 den Grammy Award für das beste klassische Solo-Gesangsalbum sowie einen Edison (Niederlande) und einen Juno (Kanada) gewann. Sechs weitere vielgelobte Aufnahmen folgten, darunter Vienna: fin de siècle mit dem Pianisten Reinbert de Leeuw, La Passione mit Werken von Nono, Haydn und Grisey, Infinite Voyage, bei dem sie sich ihren Kollegen vom Emerson String Quartet für deren letztes Album anschloss, MESSIAEN mit dem Pianisten Bertrand Chamayou, Electric Fields mit den Pianistinnen Katia und Marielle Labèque sowie An American Dream? mit amerikanischen Komponisten wie Copland und Gershwin, aufgenommen mit dem Gothenburg Symphony Orchestra. Hannigan Sings Zorn, Volumes One and Two, Live-Aufnahmen von John Zorns Kompositionen, erschienen 2024 beim Label Tzadik, und La Donna del Lago, ein besonderes Projekt mit Massimo Pupillo und David Chalmin, wurde 2026 veröffentlicht.

 

Ihr Engagement für junge Musikerinnen und Musiker führte sie dazu, die Mentoring-Initiativen Equilibrium Young Artists (2017) und Momentum: our Future Now (2020) ins Leben zu rufen. Ihre Arbeit mit Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern setzt sie in Meisterkursen fort sowie in ihrer Funktion als Reinbert de Leeuw Professor of Music an der Royal Academy of Music in London.

 

Zu ihren Auszeichnungen und Ehrungen zählen der Governor General's Performing Arts Award (2026), der Polar Music Prize 2025, die Auszeichnung als Musical America Artist of the Year 2025, die Ernennung zur „Accademico Onorario" (Ehrenakademikerin, 2025) an der Accademia di Santa Cecilia, der Order of Canada (2016), der Titel Officier des Arts et des Lettres in Frankreich (2022), die Auszeichnung als Artist of the Year des Gramophone Magazine 2022, der deutsche Faust-Preis (2015), der schwedische Rolf-Schock-Preis für Musik (2018) sowie der dänische Léonie-Sonning-Musikpreis (2021).

 

Barbara lebt im Finistère an der Nordwestküste Frankreichs, mit Blick auf eine Meeresbucht, die direkt über den Atlantik dorthin führt, wo sie aufgewachsen ist: nach Waverley in Nova Scotia.

 

Stand: Oktober 2026

credit Cyrus Allyar

Barbara Hannigan

Weiterführende Links

Konzerttermine mit Barbara Hannigan

Isarphilharmonie

Symphoniekonzerte

  • Golfam Khayam »I am not a tale to be told«
  • Joseph Haydn 39. Symphonie
  • Olivier Messiaen »Oiseaux exotiques«
  • Maurice Ravel Klavierkonzert für die linke Hand
  • ( ... )
credit Marco Borggreve
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