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Maurice Ravel: Konzert für Klavier (linke Hand) und Orchester D-Dur

Im Sommer 1929 beauftragte der Wiener Pianist Paul Wittgenstein (1887–1961), der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte, Maurice Ravel mit der Komposition eines Klavierkonzerts für die linke Hand allein. Da er nicht nur der ältere Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein war, sondern auch ein Sohn des legendären Stahlmagnaten Karl Wittgenstein, des »österreichischen Krupp«, verfügte Paul Wittgenstein über ein Millionenvermögen, das es ihm ermöglichte, bei den berühmtesten Komponisten seiner Zeit neue Partituren für die linke Hand allein in Auftrag zu geben und sie fürstlich zu entlohnen. Ein dankbarer Auftraggeber war Paul Wittgenstein allerdings nicht – sein extrem konservativer Musikgeschmack, der ganz der Romantik verhaftet blieb, kollidierte allzu oft mit der Ästhetik der neuen Zeit. Das Konzert für die linke Hand besteht nur aus einem einzigen durchlaufenden Satz von knapp 20 Minuten Spieldauer. Zwei Eigenarten des Konzerts für die linke Hand dürften es gewesen sein, die Paul Wittgenstein nachhaltig irritierten. Zum einen sorgt Ravel vor allem im Allegro-Mittelteil für zahlreiche jazzige Momente, zum anderen aber verzichtet Ravel auf den traditionellen »Wettstreit« des Soloinstruments mit dem Orchester. Stattdessen weist er dem einhändigen Klavierpart eine schon paradox anmutende Präsenz zu, mit sogar zwei Kadenzen, einer eröffnenden gleich beim ersten Einsatz und einer großangelegten zum Ende hin. Paul Wittgenstein war nicht wirklich zufrieden mit dem Ergebnis und sah sich zu einer »Bearbeitung« bemüßigt, die Maurice Ravel wiederum überhaupt nicht gefiel. Die Uraufführung spielte nicht Wittgenstein, ein Jahr später gab es dennoch eine gemeinsame Aufführung Ravels und Wittgensteins.

 

— Susanne Stähr

Maurice Ravel

Maurice Ravel wurde am 07. März 1875 in Ciboure, Basses-Pyrénées, geboren. 1897 trat Ravel in die Kompositionsklasse von Gabriel Fauré ein, daneben studierte er Kontrapunkt, Fuge und Orchestration bei André Gedalge.

Gemessen an der Zahl der…

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