Jüri Reinvere: »Maria Anna, wach, im Nebenzimmer«, Notturno für großes Orchester

Was wäre aus Maria Anna Mozart geworden, wenn ihr Lebensweg ein anderer gewesen wäre? Der estnische Komponist Jüri Reinvere stellt diese Frage nicht als historische Tragödie, sondern richtet den Blick auf eine Frau, die immer im Schatten ihres berühmten Bruders Wolfgang Amadeus stand. Das rund zehnminütiges Notturno »Maria Anna, wach, im Nebenzimmer« entstand 2021 im Auftrag des Mozartfests Würzburg und wurde von den Bamberger Symphonikern uraufgeführt. Reinvere zeichnet darin ein nächtliches Porträt von »Nannerl«: Während der Bruder in die Welt hinauszieht, heiratet und in Wien berühmt wird, führt sie ihr Leben zurückgezogen in Salzburg und St. Gilgen weiter. Musikalisch wird diese Welt zu einem schwebenden Wachtraum zwischen Klang und Geräusch, Bewusstsein und Unbewusstsein. Der Titel verweist auf die nächtlichen Bilder des Barock und auf Mozarts eigene Notturni. Doch Reinvere komponiert keine Mozart-Imitation: Sein Stück ist eine stille, atmosphärische Hommage an eine Frau, die »im Nebenzimmer« der Musikgeschichte blieb – und dennoch Lebensfreude und Zuversicht bewahrte.

 

– Christine Möller

Jüri Reinvere

Jüri Reinvere ist ein estnischer Komponist, der seit 2005 in Deutschland lebt. Seine Musik verwendet oft eigene Dichtungen, in deren komplexer Sprache eigene Erfahrungen eines kosmopolitischen Lebens eingeflossen sind.

Sein erster Lehrer in…

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