Raten Sie mal, welche Berufsbezeichnung Olivier Messiaen auf seine Visitenkarte geschrieben hat. Etwa »Komponist«? Weit gefehlt: »Ornithologe und Rhythmiker«. Ja, als Vogelkundler sah er sich selbst in erster Linie. Und Musik – so oder so ähnlich soll er es gesagt haben – komponiere er nur für die Leute, die den Gesang der Vögel nicht verstehen. »Ich verwende den Gesang der Vögel, weil für mich diese Tiere auf Erden die größten Komponisten sind – sehr viel größer als die Menschen«, gesteht Messiaen. »Und so ziehe ich jedes Jahr im Frühling mit Bleistiften, Radiergummis, Notenpapier, Zeichenblock und einem riesigen Feldstecher bewaffnet los und reise in verschiedene Regionen Frankreichs auf der Suche nach meinen Lehrern.« In Gedanken übersetzt er den Gesang der Vögel in Noten, schreibt sie akribisch nieder, imitiert sie und entwickelt peu à peu seinen ›style oiseau‹ – Komponieren nach Vogelart. Von den über 700 Vogelstimmen, die er im Laufe seines Lebens erforscht, erwähnt er exakt 321 namentlich in seinen Partituren, andere flattern im Hintergrund durch seine Werke. In den »Oiseaux exotiques« lässt er 48 exotische Vögel aus Indien, China, Malaysia und Nord- und Südamerika durch den Konzertsaal zwitschern.
– Marvin Josef Deitz
Als der französische Komponist Olivier Messiaen einmal gefragt wurde, welches die prägenden Einflüsse seines Schaffens seien, antwortete er: "Der katholische Glaube, die Tristan-Sage und der Vogelgesang." Und in der Tat finden sich in seinem…