Antonio Vivaldi: »Le Quattro Stagioni« (Die vier Jahreszeiten) op. 8

Antonio Vivaldi, venezianischer Priester und Geiger, war im Spätbarock einer der berühmtesten Künstler Europas. Sein Ruhm gründete schon damals hauptsächlich auf seinen um 1720 geschaffenen Zyklus von vier Violinkonzerten mit dem Titel »Le Quattro Stagioni«. Mit bemerkenswertem Erfindungsreichtum fing Vivaldi Naturphänomene und typische Szenerien der vier Jahreszeiten tonmalerisch ein. Jedem der vier Konzerte ist ein aller Wahrscheinlichkeit nach von Vivaldi gedichtetes Sonett vorangestellt, das den musikalisch dargestellten Inhalt erklärt. Im ersten Teil (»La Primavera«) begrüßen zwitschernde Vögel den nahenden Frühling, später hört man das Murmeln sprudelnder Quellen. »Mattigkeit infolge der Hitze« ist das Leitmotiv in »L‘Estate«. Kuckuck, Taube und Distelfink versuchen vergeblich die allgemeine Müdigkeit zu vertreiben, doch erst ein gewaltiges Gewitter fegt die lähmende Hitze hinweg – eine der frühesten musikalischen Darstellungen eines Unwetters. Ein derb-fröhliches Weinfest, samt Auftritt eines betrunkenen Störenfrieds, und eine Hirschjagd sind die Szenenbilder in »L‘Autunno«. Mit eisigen Winden beginnt »L‘Inverno«. Zähne klappernd versuchen die Menschen durch Stampfen und Umherlaufen der Kälte zu trotzen. Die Freuden des Winters stellt Vivaldi durch eine Szene am zugefrorenen See dar, auf dem sich, erst zaghaft, dann immer mutiger, Eisläufer amüsieren.

Die eigentliche Qualität der »Quattro Stagioni« besteht jedoch darin, dass man sich auch ohne Kenntnis der inhaltlichen Ereignisse dem Charme der Komposition mit ihrer Fülle an melodischen Einfällen, mit der Virtuosität der Sologeige und dem Wohlklang des Streichorchesters nicht entziehen kann.

Antonio Vivaldi

Antonio Vivaldi legte ein überaus reiches kompositorisches Schaffen vor, zu dem nicht weniger als weit über 200 Konzerte allein für die Violine zählen. Der Grund für diese enorme Gattungsproduktion hängt maßgeblich mit Vivaldis Anstellung ab 1703 als…

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