Mendelssohns Werk basiert auf der 1799 entstandenen Ballade »Die erste Walpurgisnacht« von Johann Wolfgang von Goethe. Sie schildert einen der letzten »Triumphe« heidnischer Harzbewohner über das Christentum: mutwillig inszenierten Hexenspuk, der für heillosen Schrecken unter den Gottesfürchtigen sorgt und so die Tradition der Walpurgisfeiern rund um den Brocken begründet. Goethe hatte die Ballade ganz bewusst mit Blick auf eine musikalische Umsetzung konzipiert und sie noch 1799, im Jahr ihrer Entstehung, dem befreundeten Zelter vorgelegt. Der allerdings zögerte. Sein Schüler Mendelssohn wiederum machte sich ans Werk – auf jener Italienreise, zu der ihn kein anderer als Goethe ermuntert hatte. Die Uraufführung des Werks erlebte der greise Dichterfürst allerdings nicht mehr; er starb im März 1832. Über den Fortgang des Kompositionsprozesses freilich war er informiert – Mendelssohn hielt ihn brieflich von Rom aus auf dem Laufenden.
Gleich fünf Solisten prägen das Figurenarsenal: ein Druide, ein Priester, ein Wächter und eine alte Frau auf Seite der Heiden sowie ein christlicher Wächter. Auch die Chorsänger verkörpern wechselnde Rollen, agieren mal als Druiden, mal als heidnische und christliche Wächter oder einfach als »Volk«. In der Tat lässt Mendelssohn, der vermeintliche Klassizist, seinem Orchester hier regelrecht die Zügel schießen – was ihm sogar Hector Berlioz’ Bewunderung einbrachte. Wie nannte schon Berlioz die »Erste Walpurgisnacht«: »Ein wahres Meisterstück!«
Felix Mendelssohn Bartholdy, Sohn eines Bankiers und Enkel des Philosophen Moses Mendelssohn, wurde am 3. Februar 1809 in Hamburg geboren und gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Als Dirigent setzte er neue Standards, die das…