Für das Schaffen Alfred Schnittkes, 1934 in der Wolgadeutschen Republik geboren und 1998 in Hamburg gestorben, bürgerte sich schon früh der Begriff »Polystilistik« ein, den er selbst ins Spiel gebracht hatte. Seine Musik zielt darauf, mit collageartigen Techniken Brücken zwischen der Musik der Vergangenheit und der Gegenwart zu schlagen und unterschiedliche stilistische Schichten zu einer neuen musikalischen Aussage zu verschmelzen. Das Klavierkonzert, komponiert 1979 für den russischen Pianisten Wladimir Krainjew, ist eines der wichtigsten Werke Schnittkes, die diesem polystilistischen Ansatz folgen. Anklänge an die unterschiedlichsten musikalischen Traditionen werden hier schroffen, modernen Klangwelten gegenübergestellt. Schnittke spinnt ein kunstvolles Netz von Beziehungen zwischen scheinbar Bekanntem und Neuem, Unerhörtem. Dadurch entsteht ein dramatischer Kosmos zwischen Gestern und Heute, ein kaleidoskopartiges Spiel mit Vertrautem und Unbekanntem.
— Martin Demmler
Generationen osteuropäischer Komponisten sprachen slawisch und fühlten deutsch oder sprachen deutsch und fühlten slawisch. Dem allzu früh verstorbenen Deutschrussen Alfred Schnittke gelang es, seine tiefe Verwurzelung im Musikidiom Osteuropas mit der…