Der Hinweis fehlt in keiner Biografie: Wolfgang Amadeus Mozart war während seiner späteren Wiener Jahre Mitglied der Freimaurer. Das bekannteste Zeugnis seiner Freimaurer-Überzeugung ist die »Die Zauberflöte«, die mit ihrer Weisheitslehre und ihren Prüfungsritualen als bedeutendste Übertragung freimaurerischer Prinzipien auf die Opernbühne gilt. Daneben gibt es eine Reihe kürzerer Kompositionen, allesamt weniger populär, da sie anlassgebunden entstanden sind, nämlich für Aufführungen bei Logensitzungen. Die tiefsinnigste dieser Kompositionen ist die »Maurerische Trauermusik« KV 477. Das nur rund sechs Minuten kurze Stück klingt, zumal für Mozarts Verhältnisse, außergewöhnlich düster, ja finster. Die liturgische Melodie lässt sich mit Worten aus dem 33. Psalm unterlegen: »Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!« Auch ohne einen gesungenen Text hat Mozart hier demnach den zentralen Freimaurer-Grundsatz der Brüderlichkeit zum Ausdruck gebracht. Diese Botschaft mag den überraschend positiven Schluss erklären: Das Werk verklingt in einem lang ausgehaltenen C-Dur-Akkord, der wie ein hoffnungsvolles Aufatmen wirkt.
— Christian Wildhagen
Mit seinen Symphonien, Opern, Konzerten und seiner Kammermusik ist Wolfgang Amadeus Mozart heute der meistgespielte Komponist aller Zeiten. Am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren, zeigte Mozart schon sehr früh eine phänomenale Begabung für die Musik.…