Felix Mendelssohn Bartholdy: »Mein Herz erhebet Gott, den Herrn«, Deutsches Magnificat op. 69 Nr. 3

Das umfangreiche kirchenmusikalische Schaffen von Felix Mendelssohn Bartholdy lässt sich nicht ohne seinen zeitgenössischen Kontext denken. Auf der protestantischen Seite steht die erneuerte preußische Liturgie, die ganz auf das Wort und den Choral setzte. Im katholischen Ritus entwickelte sich mit dem Rückgriff auf die Polyphonie der Renaissance (Palestrina) der Cäcilianismus. Beide Tendenzen entsprechen dem von Justus Friedrich Thibaut in seiner Schrift »Über die Reinheit der Tonkunst« (Heidelberg, 1825) geforderten neuen »Kirchenstyl«, der »mäßig, ernst, würdig gehalten, durchaus veredelt und leidenschaftslos« sein solle. Interessanterweise entspricht Mendelssohn dieser Idee ausgerechnet in seinen beiden letzten Motetten, dem »Magnificat« und dem »Nunc dimitis«, komponiert im Juni 1847, im letzten Sommer seines Lebens. Sie waren ursprünglich mit englischem Text unterlegt und für die anglikanische Liturgie bestimmt (»for the Evening Service«) und wurden nur wenig später auch mit deutschem Text unterlegt.

 

— Michael Kube

Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy, Sohn eines Bankiers und Enkel des Philosophen Moses Mendelssohn, wurde am 3. Februar 1809 in Hamburg geboren und gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Als Dirigent setzte er neue Standards, die das…

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