Franz Schreker gehörte in den 1910er und 1920er Jahren zu den erfolgreichsten Opernkomponisten im deutschsprachigen Raum. Vor allem das 1912 in Frankfurt uraufgeführte Musiktheater »Der ferne Klang« traf in der Mischung von Jugendstil, Psychogramm und Neoromantik punktgenau den Nerv der Zeit. Das »Nachtstück«, ein symphonisches Zwischenspiel, verbindet die beiden Szenen des letzten Aktes der Oper und lässt sich durchaus als »Nervenzentrum« des gesamten Werkes bezeichnen – Schreker selbst war begeistert von diesem Instrumentalstück und pries die »harmonischen Merkwürdigkeiten« und die »rätselhaft complicierten« thematischen Bezüge. Es versucht, »seelische Stimmungen und Kämpfe einer durchwachten Nacht zu schildern«, so der Komponist. Das gelingt Schreker durch eine ungewöhnliche, farbenprächtige Harmonik, eine feinsinnige Instrumentation und einen fast traumartig-atmosphärischen, zarten Orchestersatz.
— Martin Demmler
Schreker, 1878 in Monaco als Sohn eines österreichisch-jüdischen Hofphotographen geboren, wuchs in einem kulturell vielfältigen Umfeld auf und erhielt seine musikalische Ausbildung zunächst in Wien, wo er am Konservatorium unter anderem bei Robert…