Ludwig van Beethovens fünf Streichtrios entstanden zwischen 1792 und 1798 und geben Einblick in die kompositorischen Vorbereitungen auf das weitaus bekanntere Repertoire seiner Königsdisziplin: der Streichquartette. Während das 1792 entstandene Es-Dur-Trio op. 3 noch ganz im zeittypischen Konversationston wurzelt, streben die Werke op. 9 bereits neuen Ufern entgegen, indem sie sich tiefsinniger poetischer Ausdrucksmittel bedienen. Gleich im Eröffnungssatz findet sich die für Beethoven typische abrupte Kontrastdynamik. Auffällig ist in diesem Trio, dass Beethoven schon den späteren Quartettklang vorausnimmt. Denn am Beginn des langsamen Satzes ist die Bratsche in Doppelgriffen notiert, sodass der Eindruck eines Quartettsatzes entsteht. Rhythmische Verschiebungen, Synkopen und schroffe Akzente sorgen im Scherzo für eine unruhige, vorwärtsdrängende Bewegung. Das Finale lebt vom Frage-Antwort-Spiel zwischen einer nervösen Triolen-Arabeske und einem tänzerischen Thema. Bis zum Schluss bleibt die Spannung zwischen diesen beiden Elementen unaufgelöst.
— Martin Demmler
Ludwig van Beethoven, 1770 in Bonn als Sohn einer Musikerfamilie geboren, fiel früh durch seine außergewöhnliche musikalische Begabung auf. 1792 schickte ihn der Bonner Kurfürst nach Wien, um ihm dort eine Vervollkommnung seiner Kenntnisse durch…